Zeltvermieter: Eine Branche vor dem Aus?

Zu einer dringenden Krisensitzung hatten sich die Mitglieder des Fachausschusses Zeltvermieter im ITRS per Videokonferenz zusammengefunden, um die dramatischen Auswirkungen des Shutdown für ihre Branche zu erörtern. Denn eines ist klar: trotz erster zaghafter Lockerungen in bestimmten Wirtschaftsbereichen steht hier eine gesamte Branche vor dem Aus, von der wir alle profitieren, auch wenn sie nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit steht.

„Selbstverständlich verstehen wir alle, dass die Gesundheit vorgeht“, so Erik Meyers, Vorsitzender der Zeltvermieter im ITRS und Inhaber des Solinger Unternehmens MEVENTA. „Wichtig ist jedoch, dass uns umgehend eine Perspektive aufgezeigt wird, wann wir wieder unserem Geschäft nachgehen dürfen – und zwar bundesweit einheitlich. Denn ein uneinheitlicher Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen ist weder dem Bürger noch unseren Mitgliedsbetrieben zu vermitteln.“

Aktuell ist das gesamte Veranstaltungsgeschäft zusammengebrochen, und die Unternehmen sind in ihrem Bestand bedroht. Schließlich sind nicht nur Großveranstaltungen wie das Oktoberfest abgesagt. Auch kleinere Veranstaltungen aller Art wurden bis weit in die zweite Jahreshälfte abgesagt oder verschoben, so dass die Einnahmeausfälle bei vielen betroffenen Betrieben 100% betragen. Denn das Angebot, Behörden und Gesundheitseinrichtungen bei der Schaffung von zusätzlichen, temporären Behandlungsräumen zu unterstützen, ist meist ohne Antwort verhallt. „Wir bedauern dies sehr, denn wir hätten gerne unseren Beitrag in dieser Ausnahmesituation geleistet. Schließlich konnten wir bereits in vielen Notsituationen unter Beweis stellen, was unsere modernen Zeltsysteme alles leisten können: Ich erinnere nur an die Flüchtlingskrise von 2015“, schließt sich Joachim Kurrle an, Inhaber des Zeltvermieters MIZE aus der Nähe von Stuttgart.

„Wir sind uns bewusst, dass der Übergang zur Normalität bei Veranstaltungen und Festen noch eine Weile dauern wird,“ ergänzt Susanne Hoffmann, Geschäftsführerin der Firma Emslandzelte. Dass beispielsweise in Hessen bereits Veranstaltungen ab 100 Personen als Großveranstaltungen gewertet und damit verboten werden, sei aber in ihren Augen nicht haltbar. So könnten ja auf unbestimmte Zeit nicht einmal Familienfeiern stattfinden, ergänzt Hoffmann.

Natürlich ist die Branche jederzeit bereit, an einem Gesundheits- und Durchführungskonzept von Veranstaltungen mitzuarbeiten. Hier könnten sicherlich auch viele Lehren für die Zukunft und zum Wohle aller gezogen werden. Aber zunächst sei ein Hilfsfahrplan für diese kleine Branche unbedingt nötig, damit die Betriebe dieses Jahr überstehen können. Die Bildung eines Rettungs- und Entschädigungsfonds sei da unumgänglich. Schließlich ist die Branche völlig unverschuldet an der aktuellen Situation. Kaum eine andere Branche wird derart stark von der Pandemie in ihren Grundfesten erschüttert wie die Zeltvermieter. Und die Absage von Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen kommt schon einem Berufs- und Betätigungsverbot gleich.

„Trotz erster Hilfspakete der KfW – es reicht nicht, dass die Zeltvermieter in Deutschland hoch verschuldet aus der Krise kommen und keinerlei Entschädigungen erhalten. Wenn sie die derzeitige Lage überhaupt überstehen können,“ schließt Meyers. „Und wie soll dann in Zukunft auch nur etwa ein Garten-, Feuerwehr- oder Schützenfest stattfinden? Wir zählen auf die Unterstützung der Politik in Bund und Ländern, sonst wird eine gesamte Branche die Pandemie nicht überstehen – und das völlig ohne Schuld.“ Feste feiern – das ist schließlich ein Stück deutscher Kultur und Vielfalt!

itrs
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